Wie ich zu Jesus kam

Ich heiße Bernhard Sponner. Geboren und aufgewachsen bin ich in Hamburg, in einer ganz „normalen“ deutschen Familie. Wie es sich so in der evangelischen Kirche gehört, wurde ich getauft und bin später in den Konfirmationsunterricht gegangen, wo ich einiges über die Kirche, sowie Alkohol und Drogenprobleme hörte. Aber kaum etwas über Gott und sein Wort. Meine „christliche Kindheit“ bestand aus einigen Gute Nacht Gebeten meiner katholischen Großmutter.

Kurz nach meinem 15. Geburtstag ging ich durch die Geschäftsstraße unseres Hamburger Vorortes und wurde dort von einigen jungen Leuten angesprochen wurde. Sie verteilten kleine Handzettel. Ein nettes Mädchen sprach mich an und gab mir einen Handzettel mit den Worten: „Wir lieben Dich, weil Jesus Dich liebt!“ Das hat mich in dem Moment fast umgehauen. So mitten auf der Straße von einem wildfremden Menschen angesprochen zu werden, und dann noch mit solchen Worten.

Zuhause angekommen las ich mir den Inhalt des Zettels durch, der mir aber nicht allzu viel zu sagen hatte. „Heilige Löcher“ war der Titel, und geschrieben war das Ganze von einem Mose David. Auf der Rückseite gab es eine Einladung zu einer Teestube im Haus der Jugend am Hamburger Hafen. Der Termin war wöchentlich, und gerade an diesem Abend war das nächste Treffen. Mit klopfendem Herzen fuhr ich die rund eineinhalb Stunden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum angegebenen Treffpunkt, ohne zu wissen, was mich nun eigentlich wirklich erwartete.

Ich kam in eine angenehm warme Atmosphäre, die dort in der Teestube herrschte. Viele Einzelheiten weiß ich heute nicht mehr, aber doch soweit, dass es das erste Mal war, wo ich ganz lange einfach reden konnte. Ohne Unterbrechung konnte ich so vieles, das sich in meinem Herzen angestaut hatte loswerden. Das gab mir ein sehr gutes Gefühl und öffnete mich natürlich auch für die Gruppe und die dort anwesenden jungen Leute.

Eine Woche später schon hörte ich viele Dinge aus der Bibel. Einen der ersten Bibelverse, die ich damals lernte und die mir bis heute nachgehen, war der aus Off. 3,20: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.“ Mein Verlangen nach der Gemeinschaft mit Jesus Christus war geweckt. Ich wollte IHN kennenlernen. Wir fassten uns alle an die Hände und mit einem Aufnahmegebet, bat ich Jesus in mein Herz zu kommen. Ich wollte fortan mein Leben mit IHM führen. Das ist nun schon so viele Jahre her. Aber es war der entscheidende Moment in meinem Leben, wo die Gemeinschaft mit meinem himmlischen Vater begann.

Ohne es zu wissen, war ich aber auch Mitglied in der Gemeinschaft der „Kinder Gottes“ geworden. Einer der vielen schillernden Jugendbewegungen, die Anfang der siebziger Jahre, besonders auch aus den Jesus-Peoples heraus entstanden waren. Ihr Anführer war ein gewisser Mose David, der auch diesen Handzettel geschrieben hatte, den ich bekam. Übrigens einer unter hunderten, die es zu den verschiedensten Themenbereichen gab. Jeden Tag las ich nun zum einen in der Bibel, um Gott besser kennen zu lernen. Jeden Tag gab es Bibelverse zu lernen, nach einer von der Gruppe zusammengestellten „Satzkarte“. Zum anderen las man täglich in der Gruppe diese Briefe von Mose David, der von sich sagte, er sei der von Gott berufene Endzeitprophet, der alle wahren Kinder Gottes zusammenführte. Er galt als uneingeschränkte Autorität für alle Fragen, die den Glauben und das Zusammenleben betrafen.

Das Zusammenleben der Gruppe fand in den sogenannten „Kolonien“ statt. So nannte man die Wohngemeinschaften, in denen alle Anhänger, die der Gruppe voll beigetreten waren, zusammenlebten. Ich selber war damals ja gerade 15 und somit nicht in der Lage der Gruppe voll beizutreten. Aber mehrere Male in der Woche fuhr ich nach der Schule, oder später nach der Ausbildung ins Stadtzentrum, um mich mit den anderen Mitgliedern zu treffen und „Mo-Briefe“ zu verteilen. Fast jedes Wochenende fuhr ich in die „Kolonie“ am anderen Ende der Stadt. Die Gemeinschaft, das Singen, Beten und der Austausch war mir die vollen 2 Stunden Fahrzeit wert. Drei Jahre vergingen, in denen ich als sogenanntes „Katakombenmitglied“ (noch nicht voll am Kolonieleben teilhabend) zur Gruppe dazugehörte.

Durch die vielen gelernten Bibelverse, aber besonders auch durch das tägliche Lesen in Gottes Wort geriet ich in einen Zwiespalt. Das was in den „Mo-Briefen“ stand, stimmt z.T. nicht überein mit dem was ich in der Bibel las. Auf der einen Seite sagte Mose David so, - auf der anderen Seite teilte mir Gott etwas anderes mit. Ich habe in der Zeit oft und viel dafür gebetet. Mit einem Menschen konnte ich nicht darüber reden. Meine Eltern glaubten nicht an den Herrn Jesus und in der Gruppe konnte ich meinen Zweifel an Mose David ja nicht laut zugeben. Ein ganz wichtiges Gebet dieser Zeit ist mir noch ganz eindrücklich im Gedächtnis: „Gott, wenn es Dein Wille ist, dass ich Dir in dieser Gruppe diene, dann will ich das von Herzen gern tun. Aber wenn es einen anderen Weg gibt, um Dir zu dienen, dann zeige Du mir diesen Weg!“

Ich kannte ja keinerlei christliche Gemeinschaften außerhalb der Gruppe. Die „sogenannte christliche Kirche“ wurde pauschal über einen Kamm geschoren als von Gott abtrünnig und unter Seinem Gericht befindlich. Ich wusste mir keinen Rat, außer Gott mit diesem Anliegen wirklich in den Ohren zu liegen. Monate hindurch geschah nichts. Ich wurde volljährig und damit war auch klar, das nun der Termin für meinen vollen Einstieg in die Gruppe gekommen war. Ich wollte soweit wie möglich von zu Hause weg, um nicht von meiner Familie gefunden zu werden. Mitglieder in der Gruppe bekamen neue biblische Namen und waren so für Familienangehörigen und Freunde nicht mehr identifizierbar. Ich bekam die Adresse für meinen heimlichen Koloniebeitritt in Saarbrücken. Ich packte heimlich und schickte Gepäck schon bahnlagernd vor nach Saarbrücken. Alles war geplant. Durch familiäre Kontakte meldete sich ein Patenonkel der im Diakonischen Werk in der Nähe von Siegen tätig war, um mir die dortige Einrichtung zu zeigen. Meine Familie hatte schon die Sorge, dass ich in der Gruppe voll aufgehen würde. Ich stimmte der Fahrt in die Nähe von Siegen gerne zu. So würde es gar nicht auffallen, wenn ich ein klein wenig mehr packte und dann wäre ich verschwunden – für immer! Gesagt, getan. Ich fuhr mit, um mir das Diakonische Werk anzusehen, aber mit der festen Absicht: In einer Woche fahre ich heimlich weiter und bin weg.

Während dieser Woche dort fanden evangelistische Jugendabende statt. Ich wurde eingeladen mitzugehen und da ich nichts Besseres zu tun hatte ging ich dorthin. „Gottes neue Welt setzt sich durch“, war das Abendthema. Der Evangelist war Ulrich Parzany. Nun war Gottes Zeit gekommen! An dem Abend redete Gott in großer Klarheit in mein Herz und Leben hinein. Mein Gebet dass ich so eindringlich Monate zuvor gebetet hatte, war keineswegs vergessen. Nun fand es seine Erfüllung. Gott öffnete mir die Augen dafür, wie viele Christen es gab, die IHN liebten, IHM dienten und das ganze außerhalb der Gruppe der „Kinder Gottes“. Mein fest geplanter eigener Weg brach zusammen.

Nach längeren Gesprächen und Gebeten, auch mit Ulrich Parzany durfte ich den neuen Weg aus der Gruppe der „Kinder Gottes“ hinaus finden, zu den wirklichen Kindern Gottes, die Gott überall auf der Welt in unzählig vielen verschiedenen Gemeinden und Gruppe hat. Ohne Mose David, ohne einen selbsternannten Propheten, der sich als Mittler zwischen Gott und uns schaltet.

Mein Weg durch viele verschiedenen Jugendarbeiten und Gemeinden begann und führte mich u.a. durch eine Bibelschulausbildung hindurch, (um das Wort Gottes nun auch richtig kennenzulernen) bis zur Mitarbeit in die Freie evangelische Gemeinde in Hagen/ Westfalen. Hier, und in vielen umliegenden Gemeinden, darf ich jetzt meinen Glauben an den Herrn Jesus ausleben in vielfältigen Diensten.

Im Rückblick sind mir auch die Jahre in der Jugendsekte der „Kinder Gottes“ eine Zeit die Gott in meinem Leben gebraucht hat. Zum einen habe ich IHN in dieser Gruppe kennen und lieben gelernt, trotz all dem falschen, das es dort gab. Das ist ein Geschenk aus Seiner guten Hand. Zum anderen habe ich viele Einsätze und Aktionen mit viel Einsatz kennengelernt, wo man sich für den Dienst in den Gemeinden so manche Scheibe von abschneiden kann, wenn es um den Einsatz für die Sache Gottes und der Mitarbeit in der Gemeinde geht.

Übrigens gibt es unter anderem Namen diese Gruppe auch noch heute. „Mose David“ ist inzwischen verstorben. Maria heißt seine Nachfolgerin. Der Name der Gruppe heißt heute „Familie der Liebe“ oder auch einfach nur „Die Familie“. Wer mir etwas dazu schreiben will, oder auch fragen hat, kann das gerne tun unter: mailto:Bernhard.Sponner@gmx.de