Christliche Nächstenliebe - eine Provokation?

Anita und RitaSeit der Ermordung von Anita G. und Rita S. im Jemen sind fast drei Monate vergangen. Nun haben ihre Eltern eine Homepage mit den Lebensläufen der beiden jungen Frauen veröffentlicht. Sie gewähren damit einen Einblick in das Denken und Leben ihrer Töchter, die ihre Liebe zu Gott und Menschen mit ihrem Leben bezahlt haben.

Nachrichten haben eine kurzes Verfallsdatum. Presse und Fernsehen widmen ihre Schlagzeilen wieder anderen Themen. Meine Verwunderung über die Berichterstattung zu diesem Verbrechen ist jedoch geblieben.

Da engagieren sich zwei junge Frauen für Menschen in Not. Sie investieren Zeit und Geld, ihre ganze Persönlichkeit, um zu helfen. Als sie während einem sozial-diakonischen Einsatz im Jemen einem Verbrechen zum Opfer fallen, nimmt die Berichterstattung in Deutschland merkwürdige Formen an. Allein die Tatsache, dass es sich bei beiden Frauen um entschiedene Christinnen handelt, ist für manche Journalisten Anlass genug, die Motivation ihrer Nächstenliebe in Frage zu stellen. Man wirft ihnen und den mit ihnen in Verbindung stehenden christlichen Werken Mission in einem muslimischen Land und damit eine Mitverantwortung für das geschehene Verbrechen vor. Was um alle Welt rechtfertigt die Tötung von Menschen, die nichts Böses getan haben? Der Besitz einer Bibel? Die Tatsache, dass ihr christlicher Glaube sie zum Dienst an Kranken und Armen motiviert? Wenn man nicht von blankem Zynismus ausgehen will, kann man den betreffenden Journalisten eigentlich nur grobe Unkenntnis, sowohl des christlichen Glaubens, als auch der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bescheinigen.

Christen sind Menschen, die Jesus Christus nachfolgen. Der Sohn Gottes ließ seine Herrlichkeit im Himmel zurück und kam auf diese Erde, um Menschen in ihrer Not zu helfen. Er heilte von Krankheiten und er versöhnte Menschen mit Gott. Seine Liebe galt dem ganzen Menschen in seiner jeweiligen Lebenssituation. Wenn Christen sich daher in verschiedenen Ländern der Erde für Arme, Kranke, Straßenkinder usw. einsetzen, dann tun sie das natürlich auch aus ihrem christlichen Selbstverständnis. Sie tun es, weil die Liebe Gottes sie zur Liebe gegenüber anderen Menschen verpflichtet. Ihre Motivation in Frage zu stellen, weil sie als Christen in einem muslimischen Land arbeiten, ist diffamierend.

Es erscheint mir reichlich merkwürdig, dass angesichts von ca. 4 Millionen Muslimen in Deutschland mit mehr als 200 Moscheen und zahlreichen muslimischen Gebetshäuser, das sozial-diakonische Engagement junger Christen in einem muslimischen Land als eine unverantwortbare Provokation dargestellt wird. Als Christ bekenne ich mich auch zur Religionsfreiheit Andersgläubiger. Doch Religionsfreiheit ist keine Einbahnstraße!

Die von der UNO verabschiedete Allgemeine Erklärung der Menschenrechte beinhaltet folgende Artikel:

Artikel 1:
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.

Artikel 2:
Jeder Mensch hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeine Unterscheidung, wie etwa nach Rasse, Farbe, Geschlecht, Sprache, Religion, ...

Artikel 3:
Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Artikel 18:
Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung von Riten zu bekunden.

Artikel 19:
Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.
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In den meisten muslimischen und vielen anderen Ländern wären Christen dankbar, wenn ihnen diese Rechte in der Praxis auch nur annähernd zugebilligt würden. Die Wirklichkeit sieht meist anders aus und beinhaltet allzu oft Diskriminierungen bis hin zu brutaler Verfolgung. Leider scheint das hiesigen Medien kaum eine Randnotiz wert zu sein. Wer weiß, vielleicht wäre ja auch das eine unverantwortliche Provokation ...

Anita und Rita haben nichts getan, was man ihnen vorwerfen könnte, außer dass sie sich aus christlicher Nächstenliebe für andere Menschen einsetzten. Sie sind den Fußstapfen Jesu Christi nachgefolgt und haben - wie er - für ihre Liebe Hass und Unverständnis erlitten, aber vielen Menschen Trost und Hoffnung gebracht. Es wird mir eine Ehre sein, Ihnen im Himmel bei Gott zu begegnen!
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Die Homepage zu Rita und Anita finden Sie unter anitaundrita.de.

Ergänzend sei an dieser Stelle auch auf die Erklärung des Rates der EKD zur Diffamierung evangelikaler Christen verwiesen.