Gott macht keine Fehler

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind. Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
Röm 8,28-29

Ernst Modersohn erzählt in einem seiner Bücher, wie er früher in der Nähe eines Bildhauers wohnte. Ab und zu schaute er ihm bei der Arbeit zu. Eines Tages, als er an einem Marmorblock arbeitet, fragt Modersohn den Bildhauer: „Was wollen sie damit machen?“ „Da sitzt eine Germania drin“, antwortet dieser. „Bloß der Dreck muss weg.“ Einige Zeit später, als Modersohn wieder bei ihm vorbeischaut, fragt er ihn: „Was machen sie, wenn einmal ein zu fester Schlag ein zu großes Stück abspringen lässt?“ Der Künstler sah ihn von der Seite an: „Kommt nicht vor“. „Aber, wenn es doch einmal vorkommen würde, gibt es da einen Kleber oder so etwas?“ „Kommt nicht vor.“ Als Modersohn das dritte Mal fragt, antwortet der Künstler etwas gekränkt: „Ich sagte es ihnen doch: Es kommt nicht vor!“ (Aus „Was Kinder Gottes wissen“, E. Modersohn, VLM 2000).

In Röm 8 schreibt Paulus: „wir wissen, dass denen, die Gott lieben alle Dinge zum Guten mitwirken…“. Was ist dieses Gute? Dass sie dem Bild seines Sohnes gleich werden. So zu werden wie Jesus ist, das ist Gottes großes Ziel mit uns. Alle Dinge müssen diesem Ziel dienen. Es ist eine Regel ohne Ausnahme. Alles, was Gott in dein Leben schickt oder zulässt verfolgt dieses Ziel. Alles? Auch Krankheit, Verlust, Leiden? Ja sicher.

Wenn es nicht nach unseren Vorstellungen vom Leben läuft, können wir schnell unzufrieden werden. Aber wenn wir diesen Grundsatz annehmen, werden wir nicht enttäuscht, sondern wir werden für alles dankbar. Für alles?? Wenn ich glaube, dass alles diesem einen herrlichen Ziel dient: so zu werden wie Jesus, werde ich auch zu unangenehmen Dingen in meinem Leben ein Ja finden. Nun, bei Problemen, die aus Gottes Hand kommen können wir vielleicht noch eher ein Ja finden. Aber wie wird es, wenn wir von Mitmenschen gekränkt, verleumdet, gemieden werden? Auch hier zeigt sich, ob wir das Ziel Gottes mit uns grundsätzlich begriffen und angenommen haben. Wenn wir uns aufregen, zurückziehen, verletzt und gereizt sind, zeigen wir, dass wir noch nicht verstanden haben, dass hinter diesen Dingen der Herr steht, der seine Absichten mit uns hat. Würden wir nur mit Menschen zusammenleben, die freundlich und liebevoll zu uns wären, hätten wir dann die Gelegenheit, Sanftmut, Geduld, Demut, Freundlichkeit zu lernen? Kämen diese Eigenschaften zur Entwicklung? Darum muss Gott uns mit unangenehmen Dingen in Berührung bringen, um uns „dem Lamm“, Jesus Christus, ähnlicher zu machen. Wie viel klagen auch Christen über ihre Verhältnisse. Aber wer hat uns in unsere Verhältnisse hineingestellt? Unsere Unzufriedenheit richtet sich letzten Endes gegen Gott.

Wenn man das Ziel Gottes in unserem Leben annimmt, dann verlernt man zwei Dinge: erstens das leidenschaftliche Verlangen und zweitens das leidenschaftliche Fürchten. Das leidenschaftliche Verlangen sagt: Wenn ich nur das bekäme oder jenes tun könnte, ach wenn ich doch nur… Wenn man weiß, dass alle Dinge zum Besten dienen, kommt man innerlich zur Ruhe. Und man wird zweitens frei vom leidenschaftlichen Fürchten: Wenn ich nur nicht krank werde, wenn ich nur nicht arm werde, ach wenn ich nur nicht… Wer gelernt hat, dass alle Dinge von Gott kommen und ihm vertraut, der sagt: Herr, so wie du willst ist es gut, so soll es geschehen, du machst keinen Fehler. Nur so kommt man zur Ruhe und findet Frieden. Der Herr, unser „Bildhauer“ macht keine Fehler! Wie sagte der Bildhauer zu Modersohn? „Es kommt nicht vor!“

Joachim Kehrer