Gedanken zum Mahl des Herrn

Psalm 23

Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele; er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Was hat Psalm 23 mit dem Abendmahl zu tun? Wo liegt die Verbindung?

Die letzten Tage und Wochen ging mir Vers 4 ("Auch wenn ich durch das dunkle Tal des Todes1 gehe, fürchte ich mich nicht, denn du bist an meiner Seite. Dein Stecken und Stab schützen und trösten mich.) nicht aus dem Kopf und spendete mir Trost. Aber warum ausgerechnet dieser Vers?

Ich befand und befinde mich noch in einem dunklen Tal, umringt von Schatten, Verzweiflung, Ratlosigkeit, Hilflosigkeit und der Suche nach Sicherheit. Versuchungen und Selbstanklagen bauen sich vor mir auf und stürzen auf mich ein. Es zieht einen weg. Egal wohin, Hauptsache man kann alleine sein. Ganz alleine. Einsam. Ohne Menschen, denen gegenüber man stark sein muss, um das Gesicht zu wahren. Ohne Menschen, die herausfinden könnten, wie es einem gerade geht. Und doch besteht die tiefe Sehnsucht nach Gesellschaft. Nach Gesellschaft, in der man verstanden, aufgenommen, geliebt und akzeptiert wird. In der man sich geborgen weiß.

Wie oft bleibt das nur ein Wunsch? Auch aus der Angst, sich anderen Menschen zu offenbaren? Wie oft ging es mir so? Wie oft dir? Ich glaube, dass jeder schon das ein oder andere "Tal der Todesschatten" durchstehen musste. Dass jeder von uns schon vor Problemen stand, die den Glauben in Gott auf eine harte Probe stellten.

Doch wo ist die Verbindung vom Abendmahl zum Tal des Todes? Jesus ist dieses Bindeglied. Er ist es, der uns die nötige Kraft und den Glauben gibt, damit wir nicht verzweifeln und aufgeben. Er ist auch dort mit uns und begleitet uns.

Mir kam an dieser Stelle der Gedanke, dass es für ihn ja "einfach" war, da er nun mal Gott ist. Allmächtig, herrlich und strahlend. Doch das stimmt so nicht ganz. Jesus ging selber durch ein Tal, das wir uns nicht vorstellen können. Unsere dunkelsten Zeiten sind trotz aller Herausforderungen und trotz allen Grauens, das uns erfasst und auf uns lauert, nicht mit seinem Tal der Todesschatten zu vergleichen, denn er war wirklich alleine. Komplett verlassen von allen, die er liebte und die ihn liebten, schleppte er sich hindurch. Und genau darauf beruht ein Großteil meines Glaubens und meiner Liebe zu ihm.

Er kann mich in diesen Schwierigkeiten unterstützen und begleiten weil er sie in ihrem ganzen Ausmaß durchgemacht hat. Er kann meine Stütze sein, weil er schon durchgegangen ist - und für mich noch einmal als Führer mitgeht. Er leidet mit mir. Er versteht meine Ängste, Befürchtungen und Zweifel und verlässt mich doch nicht. Wenn ich ihn anklage und diesen Weg nicht verstehe, dann reicht er mir seine Hand und schaut mich liebend an, hilft mir auf, stützt mich und hilft mir weiter.

An das erinnert mich das Abendmahl.
An all das und noch viel mehr soll es uns alle erinnern.

Michael