Gottesdienst in Reutlingen

Martin Luther

"Immer wieder sonntags ... kommt die Erinnerung!" Sicher kennen noch viele diesen bekannten Musiktitel aus den 70iger Jahren. Doch heißt „immer wieder sonntags“ auch immer wieder sonntags in den Gottesdienst zu gehen? Für ältere Christen mag das vielleicht noch eine bekannte und klare Sache sein. Für die meisten Christen bzw. Kirchenchristen ist es jedoch ein unbekannter und nie gehörter Aufruf.

Laut der kirchlichen Statistik der EKD von 20111 kommen durchschnittlich nur 38 Besucher zum Kirchengottesdienst. Das sind 3,7% der gesamten 24,2 Mio. Kirchenmitglieder. Zu den Weihnachtsgottesdiensten kommen immerhin 36%. Das ist ein geistliches Armutszeugnis! Es verwundert, dass so viele Kirchenglieder ihren Kirchenbeitrag bezahlen ohne die Angebote der Kirche wahrzunehmen. Kein Dauerkartenbesitzer, der teuer seinen Beitrag bezahlt, würde freiwillig den Stadionbesuch seines Fußballvereins verpassen wollen. Das gibt es nur in der Kirche. Die Gründe, warum der Gottesdienstbesuch auch in vielen Freikirchen so unattraktiv scheint, mögen vielfältig sein.

Was bedeutet der Begriff „Gottesdienst“ eigentlich und warum ist er für Christen so wichtig? Für den Begriff Dienst/Gottesdienst gibt es im Neuen Testament unterschiedliche Bezeichnungen.

Wenn Paulus von Gottesdienstversammlungen spricht, nennt er es „Zusammenkunft“ (1. Kor. 11,17.18.20.23). Damit ist gemeint, dass sich gläubige Christen treffen, um Gott zu danken, sich zu ermutigen, zu ermahnen, gemeinsam zu beten und auf Gottes Wort zu hören. Der sonntägliche Gottesdienst ist eigentlich Zentrum und Höhepunkt einer christlichen Gemeinschaft. Der Begriff Gottesdienst kann verschiedene Aspekte beinhalten. Gottesdienst gibt es im Sinn von:

- Gemeinschaft der Gläubigen (Zusammenkunft)
- innerer Haltung (Frömmigkeit)
- Ritualen und Abläufen (Liturgie)
- menschlicher Hilfeleistung (Diakonie)

Unter den ersten Gläubigen war es üblich, sich am ersten Tag der Woche (Sonntag) zum Gottesdienst zu treffen (Lk. 24,1; Joh. 20,19.26; Apg. 20,7; 1.Kor. 16,2). Es war der Tag, an dem der Herr Jesus Christus auferstanden und Seinen Jüngern begegnet ist. So soll auch der Gottesdienst eine Begegnung der Gemeinde mit dem HErrn sein.

Doch immer wieder sonntags ist...

1. Mehr als nur eine gute Gewohnheit

Gute Gewohnheiten sind richtig und wichtig. Sie prägen unser Leben und unseren Charakter. Durch gezieltes Einüben von Verhaltensweisen werden nützliche Gewohnheiten, Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelt. Wer es sich zur Gewohnheit gemacht hat, zum Gottesdienst zu gehen, dem wird es leichter fallen, dies unabhängig von den Umständen zu tun. Jesus selbst hatte sich den wöchentlichen Synagogenbesuch zur Gewohnheit gemacht (Lk. 4,16), Paulus ebenso (Apg. 17,2).

Es scheint so, als ob wir diese Gewohnheit stark vernachlässigt haben und frei nach dem "Lustprinzip" zum Gottesdienst erscheinen. Das hat folgenschwere Konsequenzen, weil gerade auch die junge Generation diese Verbindlichkeit verlernt. Doch Gottesdienst ist mehr als nur eine Gewohnheit. Das Herz muss dabei sein. Die Grundlage des Gottesdienstbesuches sollte die Glaubensbeziehung zu Jesus sein. Gott klagte sein Volk an, weil sie im Gottesdienst nur noch eine fromme Religionsübung sahen: "Weiter spricht der Herr: Weil sich dieses Volk mit seinem Mund mir naht und mich mit seinen Lippen ehrt, während es doch sein Herz fern von mir hält und ihre Furcht vor mir nur angelerntes Menschengebot ist,..." (Jes. 29,13).

Ohne eine ernsthafte Beziehung zu Jesus wird der Gottesdienstbesuch zur religiösen Gewohnheit. Ein wiedergeborener Christ, der einfach aus Faulheit, Bequemlichkeit, Desinteresse und Lustlosigkeit nicht zum Gottesdienst geht, zeigt, dass geistlich etwas bei ihm nicht stimmt und seine Beziehung zu Jesus gestört ist. Nachfolge Jesu und Gottesdienstbesuch am Sonntag gehören zusammen! In Hebr. 10,24-25 ermahnt uns Gottes Wort: "... und lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht!"

2. Mehr als nur Show und Pflichterfüllung

Leider werden heute die Programmpunkte eines Gottesdienstes (Gottesdienstablauf, Liturgie) oft einfach nur noch abgespult. Man geht zum Gottesdienst, nimmt an religiösen Zeremonien teil, im Glauben, Gott damit zu dienen oder IHM damit zu gefallen. Letztlich wird der Gang zum Gottesdienst ein Pflichtprogramm.

Wir gefallen Gott nicht, wenn wir dasitzen und auf ein schnelles Ende des Sonntagmorgenprogramms warten. Die Wichtigkeit und Heiligkeit des Gottesdienstes geht damit verloren. Alle Mühe um Gott zu gefallen wird dann wertlos, selbst wenn das eine Taufe, Abendmahl oder ein Gottesdienst sind. Die Bibel spricht von selbstgewählten Gottesdiensten (Kol. 2,23). Sie scheinen fromm, sind aber wertlos. Gottesdienst ist auch kein Zurschaustellen, sondern ein sich Bereitstellen! Im Gottesdienst dienen nicht wir Gott, sondern Gott möchte uns dienen! Der erste Gottesdienst fand in diesem Sinn im Paradies statt, als Gott Adam und Eva Felle aus Tieren machte, um ihre Sünde zu bedecken (1. Mo. 3,21). Gott dient uns zuerst, damit wir IHM dienen können. Ein Christ ist erlöst, um Gott zu dienen. "Denn sie selbst erzählen von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen" (1. Thess. 1,9). Das Volk Israel wurde aus Ägypten befreit, um Gott zu dienen (2. Mo. 10,7+26). Immer wieder sonntags bedeutet, sich für Gott zum Dienst bereit zu stellen. Wir dürfen nicht glauben, dass wir Gott einen Dienst erweisen, wenn wir zum Gottesdienst gehen. Gott möchte uns dienen.

3. Mehr als nur sonntags

Der Gottesdienst ist weder an einen bestimmten Tag, eine bestimmte Uhrzeit noch an ein Gebäude oder einen Ort gebunden. Als wiedergeborene Christen soll unser ganzes Leben zu jeder Zeit, an jedem Ort ein Gottesdienst sein. In Rö. 12,1 steht: "Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer: das sei euer vernünftiger Gottesdienst!" Es ist nur logisch (vernünftig), dass ein Leben als Christ nicht allein aus dem Besuch des Sonntagsgottesdienstes besteht. Auch nicht der Besuch aller Gemeindeveranstaltungen würde einen Christen vor Gott besser erscheinen lassen, wenn sein Alltagsleben nicht dem entspricht, was er im Gottesdienst (Wort Gottes) hört. Ein wahrer und lebendiger Gottesdienst zeigt sich im Alltag: in der Familie, an der Arbeitsstelle, in der Schule, im Umgang mit meinen Mitmenschen und in der Beziehung zu Jesus. Rö. 12 zeigt den Inhalt eines wahren Gottesdienstes auf, der weit über den Sonntag hinausgeht. Es ist Bescheidenheit, Demut, Dienst seiner Gaben entsprechend, ungeheuchelte Liebe, Abneigung zu allem, was Gott nicht ehrt; Bruderliebe, finanzielle Unterstützung der Geschwister in Not, Gebet, Mitgefühl usw.

Gottesdienst leben bedeutet nicht nur zum Gottesdienst zu gehen, sondern im Leben Gott zu gefallen. Gottesdienst meint, sein Christsein auszuleben, sich Gott hinzugeben und das Wort Gottes weiterzugeben .

Zum Abschluss nochmals die Frage: Muss ein Christ immer wieder sonntags in den Gottesdienst? Ja! Es sollte jedoch kein „müssen“ sein, sondern ein „wollen“. Ein ernsthafter Nachfolger Jesu, der den Auferstandenen erlebt hat, sollte das Anliegen haben sonntags im Gottesdienst zu sein. Umstände mögen es vielleicht nicht immer einfach machen. Krankheit oder andere unabänderliche Gründe mögen einen Gottesdienstbesuch auch einmal verhindern. Aber selbst im Urlaub sollte der Gottesdienst nicht einfach gestrichen werden. Es gibt immer einen Weg, unter Gottes Wort und in die Gemeinschaft mit Christen zu kommen.

1 entnommen: EKD Zahlen, Fakten zum kirchlichen Leben 2012; www.ekd.de/statistik

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Die Veröffentlichung dieses Artikels aus der der Zeitschrift Aktuell 2013, Nr. 3> des Bibel-Center Breckerfeld erfolgt mit der freundlichen Genehmigung des Autors, Klaus Eberwein.